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Frage: Könnten Sie die Punkte erklären, die in dem Bittgebet des ehrwürdigen Gesandten Gottes (F.s.m.i) enthalten sind: „Mein Gott, ich suche Zuflucht bei Dir vor Wissen, das keinen Nutzen bringt, vor einem Herzen, das nicht erschaudert, vor einem nefs, das keine Sättigung kennt, und vor einem Gebet, das nicht angenommen wird.“[1]
Antwort: Dieses Bittgebet des Gesandten Gottes (F.s.m.i) gehört zu jenen Bittgebeten, die unabhängig von einer bestimmten Zeit jederzeit gesprochen werden können. Wenn über die verwendeten Ausdrücke nachgedacht wird, zeigt sich, dass sie alle tiefe Bedeutungen beinhalten. Der ehrwürdige Prophet (F.s.m.i) hat auch hier, wie in vielen seiner Äußerungen, die die Eigenschaft besitzen, mit wenigen Worten umfassende Bedeutungen auszudrücken (Djewāmiʿu el-kelim), immense Bedeutungen in äußerst prägnante Formulierungen komprimiert.
Eigentlich kann jedes Wort, das aus seinem gesegneten Mund kommt, unter diesem Gesichtspunkt betrachtet werden. Dennoch könnten diese Feinheiten in einigen der sinngemäß überlieferten Hadithe verloren gegangen sein. Zwar legten die Gefährten großen Wert darauf, die Hadithe mit den exakten Formulierungen zu überliefern, wie sie aus dem Mund des Gesandten Gottes (F.s.m.i) kamen, und empfanden große Sorge davor, ihm ein Wort zuzuschreiben, das der ehrwürdige Prophet (F.s.m.i) nicht gesprochen hatte. Auch die Tatsache, dass viele über verschiedene Überlieferungsketten tradierte Hadithe mit denselben oder ähnlichen Wortlauten überliefert werden, zeigt diese Sensibilität der Gefährten. Trotz allem sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass es bei den sinngemäß überlieferten Hadithen zu einigen Unterschieden im Wortlaut kommen kann.
Der Gesandte Gottes (F.s.m.i) sucht im obigen Hadith vor vier Dingen Zuflucht bei Gott. (Genauso wie in anderen seiner Hadithe vor dem Teufel, der Strafe der Hölle, dem Übel des Nefs und vor unüberwindbaren Katastrophen Zuflucht bei Gott gesucht wird.) Das bedeutet, dass jeder der im Hadith erwähnten Punkte aus der Sicht eines Gläubigen ein so großes Übel darstellt, dass es notwendig ist, davor Zuflucht bei Gott zu suchen.
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Wissen, das keinen Nutzen bringt
Beim Blick auf die im Hadith erwähnten Punkte ist zu sehen, dass an erster Stelle das nutzlose Wissen steht. Ein Mensch kann durch die Kontemplation über die Innenwelt des Menschen und die Außenwelt (enfüsî ve âfâkî tefekkür), durch Forschungen über das Dasein, indem er bei einem Gelehrten in die Lehre geht, durch das Zuhören von Predigten und Ratschlägen usw. eine Reihe von theoretischem Wissen erlangen. Das eigentlich Wichtige ist jedoch, dass dieses Wissen in die Tat umgesetzt wird und Früchte trägt.
Wenn das erlangte Wissen als ein Samen betrachtet wird, so hängt die Entwicklung dieses Samens zu einem Baum, der Früchte trägt, vom praktischen Handel ab. Genau hier entspringt die wahre Weisheit. Ebenso hängt das Wissen des Menschen über das göttliche Wesen (Zât-ı Ulûhiyet) davon ab, den Verknüpfungspunkt zwischen Theorie und Praxis zu finden und beide gleichermaßen zu verinnerlichen.
Aus diesen Worten sollte nicht fälschlicherweise geschlossen werden, dass theoretisches Wissen für unwichtig gehalten wird. Denn wie sollte ohne dieses Wissen überhaupt etwas in die Praxis umgesetzt werden? In dieser Hinsicht ist es erforderlich, zunächst über Wissen zu verfügen. Danach sollte der Fokus daraufgelegt werden, wie dieses Wissen – sei es im persönlichen, familiären oder gesellschaftlichen Leben – praktisch angewendet, nützlich gestaltet und zum Wohle der Menschheit zur Verfügung gestellt werden kann.
Das Wissen an dieser Stelle nur auf religiöse Wissenschaften zu beschränken, würde bedeuten, die Thematik zu stark zu verengen. Auch diejenigen, die sich mit den positiven Wissenschaften beschäftigen – also jene, die sich darum bemühen, die Schöpfungsgesetze (tekvini emirler) zu verstehen –, sollten sich darauf konzentrieren, wie sie das erlangte Wissen für sich selbst und im Namen der Menschheit nützlich machen können. Denn Wissen, das bloß aus reinen Theorien besteht, wird niemandem von Nutzen sein.
Darüber hinaus schließt der im Hadith erwähnte Nutzen sowohl weltliche als auch jenseitige Vorteile ein. Aus diesem Grund sollte das erlangte Wissen nicht bloß in der Theorie belassen werden. Es gilt vielmehr, sich einerseits darum zu bemühen, das Diesseits aufzubauen, und andererseits danach zu streben, das Jenseits zu beleben.
Wenn das eigene Wissen zum Wohle der Menschheit zur Verfügung gestellt wird und das Bestreben darin liegt, damit das Denkmal der eigenen Seele zu errichten (orig. ruhumuzun abidesini ikame etme) das Monument oder die Statue unserer eigenen Seele zu errichten, wird der Ertrag dieser Bemühungen und Anstrengungen im Jenseits auf einen selbst zurückfallen.
Als Fazit lässt sich festhalten, dass das Wesentliche beim Wissen darin besteht, es in die Praxis umzusetzen und nutzbar zu machen. Der Gesandte Gottes (F.s.m.i.) suchte vor Wissen, das nicht dieser Art ist, Zuflucht bei Gott.
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Das Herz, das vor Gottesfurcht nicht erzittert
Das zweite, wovor der Gesandte Gottes (F.s.m.i.) Zuflucht bei Gott suchte, ist ein Herz ohne Ehrfurcht (khuschū). Ehrfurcht bedeutet, dass der Mensch sich vor Gott zutiefst beugt, sein Herz bei der Erwähnung Gottes in Ehrfurcht ergriffen ist und von Kopf bis Fuß ein tiefes inneres Erbeben in ihm entsteht. Wie der Koranvers „Von all Seinen Dienern empfinden nur diejenigen, die echtes Wissen besitzen, Ehrfurcht vor Gott “[2] im Kern deutlich zum Ausdruck bringt, erfordert wahres Wissen eine tiefe Ehrfurcht vor Gott.
Doch so wie das Wissen hier kein rein theoretisches Wissen ist, so ist auch ein Gelehrter kein solcher. Jemand, der kein Leben entsprechend seinem Wissen führt und nicht nach dem handelt, was er weiß, unterscheidet sich in einer Hinsicht nicht von einem Unwissenden.
Wichtig ist, dass die erlangten theoretischen Informationen in Gotteserkenntnis umgewandelt werden, das heißt, dass sie zu einer Kultur des Gewissens und zu einer Wabe der Weisheit werden. Auf diese Weise wird der Diener seinen Herrn tiefer spüren und Ihn mehr lieben. Denn der Mensch kann nur das, was er sehr gut weiß und kennt, mit der wahren Bedeutung von Liebe lieben. Wenn manche Menschen keine Liebe, kein tiefes Begehren und kein Verlangen nach Gott empfinden, liegt das daran, dass sie Gott nicht ausreichend kennen und sich Seiner nicht bewusst sind. Es ist unmöglich, dass ein Herz, das von der Erkenntnis Gottes (ma‘rifetullah) und der Liebe zu Gott (muhabbetullah) erfüllt ist, keine Ehrfurcht (khaschyet) vor Gott empfindet. Ein solcher Mensch befindet sich stets in Besonnenheit und Wachsamkeit; sobald er den prächtigen Namen des Erhabenen Gottes (nâm-ı celîl-i sübhanî) hört, sträuben sich seine Haare vor Ehrfurcht.
Dies löst auch das Verlangen nach der Begegnung mit Gott aus. Mit anderen Worten: Die Person wartet beständig auf den Tag, an dem sie Gottes Gegenwart erlangt. Da ihr jedoch bewusst ist, dass sie für einen Dienst in diese Welt gesandt wurde und die Entlassung nicht in ihrer eigenen Hand liegt, wartet sie bis zum Moment dieser Entlassung geduldig und voller Wohlgefallen weiter. Während sie einerseits vor Sehnsucht wie ein Herd lichterloh brennt und röstet, beklagt sie sich andererseits nicht und zeigt keinen Kummer. Sie verbringt ihr Leben in einem solchen Dilemma.
All dies sind Themen, die in einer Hinsicht mit Weisheit und in anderer Hinsicht mit Ehrfurcht zusammenhängen. Denn auf die Ehrfurcht kann als eine Reparatur, ein Aufbau und eine Belebung des Herzens geblickt werden. Darüber hinaus bedeutet es, dass die göttliche Feinheit (latife-i rabbaniye), das Geheimnis (sır), die verborgene Tiefe (khafî) und die tiefste Verborgenheit (akhfâ) lebendig sind. All dies sind Horizonte, die durch das zu Beginn erlangte theoretische Wissen und dessen hervorragende Verwertung erreicht werden können.
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Das Unersättliche Nefs
Drittens sucht der Gesandte Gottes (F.s.m.i.) vor dem unersättlichen Nefs Zuflucht bei Gott. Das Nefs ist mit einer Veranlagung für Essen, Trinken, Reisen und Vergnügen erschaffen worden. Ein Nefs, das voller Habgier mit unstillbarem Appetit isst, ständig „Gibt es noch mehr?“ sagt und ungeachtet dessen, was man ihm gibt, seine Gier fortsetzt, ist ein Unheil, vor dem man bei Gott Zuflucht suchen muss. Der Mensch wurde nicht erschaffen, um die Begierden und Gelüste des Nefs zu befriedigen. Seine eigentliche Pflicht ist der Gottesdienst und die Dienerschaft.
Es gibt in der Schöpfung so viele Lebewesen, die essen, trinken und auf der faulen Haut liegen, dass es für einen solchen Bereich keines Wesens bedarf, das wie der Mensch mit der höchsten Ausstattung versehen ist.
Der Mensch, den Gott in der bester Wertung und Komposition (ahsen-i taqwīm) erschaffen hat, muss mit dieser vollkommenen Schöpfung einhergehende Verantwortungen tragen. Der Koran berichtet, dass Menschen, die diesen Verantwortungen nicht nachkommen, auf eine Stufe noch unterhalb der Tiere sinken werden. Denn der Verfall einer kostbaren Sache ist nicht mit dem Verfall einer gewöhnlichen Sache gleichzusetzen. Je mehr man mit Gnadengaben gesegnet wurde, desto härter wird man im Verhältnis zu diesen erhaltenen Gunstweisen zur Rechenschaft gezogen, wenn man deren Wert nicht zu schätzen weiß.
Wenn jemand in das Privatgemach aufgenommen wird und sich nicht an die dortigen Verhaltensregeln hält, wird er nicht einmal in der Lobby gelassen, sondern direkt vor die Tür gesetzt. Genauso ist es auch beim Menschen: Wenn er innerlich verfällt, kann er nicht auf ebener Erde verweilen, sondern stürzt in eine tiefe Grube.
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Bittgebet, das nicht angenommen wird
Als Letztes sucht unser Prophet (F.s.m.i.) in diesem Hadith auch vor dem Bittgebet, das nicht angenommen wird, Zuflucht bei Gott. Während in einem Vers mit der Erklärung „Und wenn (o Gesandter) Meine Diener dich über Mich befragen, so bin Ich gewiss nahe: Ich erhöre das Gebet des Betenden, wenn er zu Mir betet“ [3] mitteilt, dass Er die Bittgebete beantworten wird, ruft Er Seine Diener in einem anderen Vers zum Bittgebet auf: „Euer Herr hat gesagt: “Ruft Mich an, (und) Ich werde euch antworten.”[4]
An dieser Stelle ist es nützlich, folgende Erinnerung zu machen: Dass Gott dem Bittgebet Seiner Diener stattgibt, bedeutet nicht, dass Er das Gewünschte immer exakt in gleicher Weise gewährt. Denn manchmal können die Dinge, die der Diener verlangt hat, seiner Zielsetzung (maslahat) zuwiderlaufen. Folglich gibt Gott dem Bittgebet Seines Dieners statt, indem Er ihm etwas noch Schöneres als das Gewünschte schenkt. Dies gleicht einem Patienten, der zum Arzt sagt: „Geben Sie mir dieses Medikament.“ Wenn der Arzt das vom Patienten gewünschte Medikament nicht für nützlich hält, gibt er ihm nicht dieses, sondern ein anderes.
Andererseits heißt es in einem Hadith, der bei Tirmidhī überliefert wird, wie folgt: „Gott (c.c.) nimmt das Bittgebet eines herzlosen, in Unachtsamkeit und Geistlosigkeit verrichteten Herzens – das sich dessen nicht bewusst ist, was es sagt – nicht an.“[5] Aus diesem Grund besteht die Pflicht des Gläubigen darin, seine Bittgebete beharrlich mit Aufrichtigkeit und Ernsthaftigkeit fortzuführen. Und zwar so, dass er alle Hindernisse zwischen sich und Gott beseitigt und sich mit seinem Herzen direkt Ihm zuwendet. Er sollte jedes Wort, das aus seinem Mund kommt, im Hinblick auf die damit verbundene Bedeutung verinnerlichen. Er sollte jedes Wort so aussprechen, dass es den Rhythmus seines Herzens berührt.
Folglich können wir sagen, dass der Gesandte Gottes (F.s.m.i.) eigentlich davor Zuflucht bei Gott gesucht hat, ein Bittgebet in Unachtsamkeit und Geistlosigkeit. Wir wissen, dass er (F.s.m.i) niemals auf eine solche Weise ein Bittgebetet gesprochen hat. Doch wie auch in anderen Angelegenheiten hat er (F.s.m.i) dies als Erfordernis seiner Wegweisung besonders hervorgehoben. Er weist uns – den auf dem Weg Zurückgebliebenen, den Gefallenen und den Strauchelnden– den Weg. Was uns obliegt, ist, unermüdlich, unaufhörlich und ohne Unterlass unter Einhaltung aller Regeln und Gebräuche in innigen Bittgebeten zu Gott zu flehen.
[1] Muslim, Dhikr 73; Ebū Dāwūd, Witr 32; Tirmiḏī, Daʿawāt 68.
[2] Sure Fātir; 35:28
[3] Sure el-Baqara; 2:186
[4] Sure el-Mu’min; 40:60
[5] Tirmidhī, De’awād 65





