Kontiunität in der Dienerschaft

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Frage: Der Mensch zeigt in verschiedenen Phasen seines Lebens, insbesondere an gesegneten Tagen und Nächten, ernsthafte Entschlossenheit und Anstrengung, um den gewünschten Horizont der Gottesdienerschaft zu erreichen, kann jedoch nach einer Weile müde werden und vom Pfad abfallen. Wie kann anhaltende Hingabe und Selbstversorgung in der Gottesdienerschaft gewährleistet werden?

Antwort: Gesegnete Tage und Nächte sind bedeutende Gelegenheiten, um unsere Begeisterung für den Gottesdienst zu erneuern und mit der göttlichen Barmherzigkeit in Berührung zu kommen. Diejenigen, die Zuflucht in der lichterfüllten Atmosphäre dieser gesegneten Zeitabschnitte suchen und diese Nächte gebührend nutzen, erlangen sowohl ein Vielfaches an Lohn für ihre Gottesdienste und Taten der Gehorsamkeit als auch den Eintritt in eine Phase des Wandels.

In diesen gesegneten Zeiten, in denen die Tore der Barmherzigkeit bis zum Äußersten geöffnet sind und die Herzen erweichen, sollten wir uns selbst noch einmal zur Rechenschaft ziehen, wegen unserer Fehler und Sünden von Herzen vor Gott bereuen und um Vergebung bitten sowie uns um Erneuerung bemühen. Wir sollten uns selbst noch einmal überprüfen, Gott noch einmal unser Wort geben und aktiv werden, um eine Veränderung einzuleiten.

Reue (Tewbe) und Bitte um Vergebung (Istigfar)

Bei der Reue und der Bitte um Vergebung muss der Mensch ernsthaft und entschlossen sein. Für die Vergebung seiner Sünden muss er Gott mit aufrichtigem Herzen anflehen. Er sollte die Reue über die begangenen Fehler bis in die Knochen spüren und fest entschlossen, willens und bestrebt sein, dieselben Fehler nicht noch einmal zu begehen.

Dennoch kann es vorkommen, dass der Mensch sein Gott gegebenes Versprechen nicht einhält. Es mag ihm nicht gelingen, sein Leben der Hingabe stets auf derselben geraden Linie fortzuführen. Er kann den verlockenden Täuschungen des Egos und des Satans erliegen und, wenn auch ungewollt, seine Reue brechen. Es gelingt ihm vielleicht nicht immer, sein Leben im Dienst Gottes auf dem gewünschten Weg voranzubringen.

Diese Situation macht jedoch weder die zuvor getane Reue ungültig, noch hindert sie daran, sich erneut der Pforte der Reue zuzuwenden. Ein Mensch, der mit aufrichtigem Herzen bereut, wird in der göttlichen Gegenwart den Lohn für diese Reue erhalten. Die Hauptsache ist, dass er mit einem gläubigen Herzen ins Jenseits hinübergehen kann.

Auch die Reue und die Bitte um Vergebung sind eine Art Gottesdienst. Wichtig ist dabei, ob sie unter Einhaltung ihrer Bedingungen vollzogen werden oder nicht. Ansonsten tilgen Sünden, die im Nachhinein begangen werden, nicht den Lohn der zuvor gezeigten Reue. Gott lässt nichts verloren gehen, was mit einem festen und entschlossenen Herzen getan wurde.

Aus diesem Grund sollten wir die Gelegenheiten, uns Gott zu nähern, bestmöglich nutzen. Wir sollten uns Ihm bei jeder Gelegenheit durch Reue und die Bitte um Vergebung aufs Neue zuwenden und unseren Weg mit einem neuen, frischen Glauben fortsetzen.

Die Beständigkeit auf dem rechten Weg

Hat man erst einmal die Gradlinigkeit erlangt, muss man große Anstrengungen unternehmen, um sie nicht wieder zu verlieren. Wie viel Mühe ein Mensch auch aufwendet, um etwas zu erreichen, muss er noch mehr Anstrengung aufbringen, um das Erlangte zu bewahren. Es ist sehr schwer, Gipfel zu erklimmen. Dafür überwindet man schroffe Felsen, übersteht Lebensgefahren und bringt enormen Einsatz sowie größte Bemühungen auf. Doch nach dem Erreichen des Gipfels dort auch zu bleiben, ist noch weitaus schwieriger.

Dass die Risiken, die man für den Aufstieg auf den Gipfel eingegangen ist, und die Mühen, die man investiert hat, nicht vergeblich waren, hängt davon ab, diese schwierige Aufgabe zu meistern und dort standhaft zu bleiben. Genau so verhält es sich auch mit dem Leben im Dienste Gottes. Leider gibt es Menschen, die beispielsweise den Monat Ramadan zugunsten der Gotteshingabe und des Gottesdienstes sehr gut nutzen. Sobald jedoch die spirituelle Atmosphäre dieses gesegneten Monats, die den Menschen ganz und gar umgibt, vorüber ist, entfernen auch sie sich wieder aus diesem Klima der Gottesdienerschaft.

Dabei sollte der Mensch, nachdem er den Horizont der Gottesdienerschaft einmal erreicht hat, noch größere Anstrengungen unternehmen, um seine Gradlinigkeit zu bewahren; er sollte Gott in innigen Gebeten anflehen und in dieser Angelegenheit aufrichtig sowie von ganzem Herzen sein.

Ein Gläubiger kann durch seinen Gottesdienst für Gott im Laufe der Zeit bestimmte geistliche Stufen erreichen. Indem er sich aus den dunklen Gängen des diktierenden Nefs (Nefs el-Emmāra) befreit, kann er zum selbstkritischen Nefs (Nefs el-Lewwāme) gelangen. Von dort kann er zum erfüllten Nefs (Nefs el-Mutma’inne) aufsteigen und – entsprechend seiner Aufrichtigkeit und Beständigkeit in der Gottesdienerschaft– die Stufen des zufriedenen Nefs (Nefs er-Rādiyye) und des Gott wohlgefälligen Nefs (Nefs el-Mardiyye) erreichen. Wenn diese Tür auch für gewöhnliche Menschen wie uns geöffnet ist, kann er sogar den Horizont des reinen Nefs (Nefs es-Sāfiye) und des geläuterten Nefs (Nefs ez-Zākiye) erlangen.

Hierbei gilt es jedoch Folgendes zu beachten, dass keine dieser Stufen im Menschen ein Gefühl absoluter Sicherheit hervorrufen darf. Er sollte stets mit der Sorge leben, von seiner aktuellen Position herabzufallen, und sich ganz fest an den Gipfeln festklammern, die er erklommen hat, um nicht von den entgegenwehenden Winden erfasst zu worden. Ein Gläubiger mit vollkommenem Glauben darf keinen Augenblick vergessen, dass er seine Gradlinigkeit ohne Gottes Hilfe und Beistand nicht bewahren kann. Er sollte jederzeit mit der inneren Haltung leben: „Halte meine Hand fest, halte sie fest, denn ohne Dich schaffe ich es nicht!“

Das folgende Bittgebet unseres Propheten (F.s.m.i) weist genau auf diesen Punkt hin: „O Du Lebendiger (Ḥayy), o Du Beständiger (Qayyūm)! Ich suche Zuflucht bei Deiner Barmherzigkeit. Bringe all meine Angelegenheiten in Ordnung und liefere mich nicht einmal für die Dauer eines Augenblicks mir selbst aus!“ Wenn der Edle Prophet (F.s.m.i) dies für sich selbst erbittet, so überlasse ich es eurem eigenen Urteilsvermögen, was Menschen wie wir, die wir strauchelnd und voller Sünden durchs Leben gehen, erst sagen müssten.

Es liegt in der Natur des Menschseins, dass wir von Zeit zu Zeit straucheln und fallen können. Doch der Mensch darf keine Art von Sünde als gewöhnlich betrachten – weder die kleine noch die große, weder die verborgene noch die offene. Er darf nicht vergessen, dass jede Form der Abweichung eine Art Deformation des Wesens darstellt, und er sollte Abscheu vor der Sünde empfinden, damit er nicht in jenem Sumpf verharrt und stattdessen so schnell wie möglich zu seinem Herrn zurückkehrt. Jedes Mal, wenn er sich seinem Herrn wieder zuwendet, sollte er fest entschlossen sein, keine erneute Abweichung zu begehen, und Ihm sein Wort geben.

Sollte er das Straucheln und Abweichen nicht wie das Hineinfallen in einen Sumpf oder das Wälzen im Schlamm betrachten, lässt er Nachlässigkeit in sich aufkommen. Nach und nach bricht sein spirituelles Immunsystem zusammen, und mit der Zeit wird er unfähig, den Sünden zu widerstehen. Für jemanden in einer solchen Verfassung ist es äußerst schwer, durch Reue und die Bitte um Vergebung wieder zu sich selbst zu finden und seine Gradlinigkeit zu bewahren.

Sterile Umgebung

Wir müssen penibel darauf achten, uns keine Keime oder Viren einzufangen, die unser spirituelles Immunsystem zum Einsturz bringen könnten, und wir sollten versuchen, uns so schnell wie möglich davon zu befreien, falls wir so etwas ausgesetzt waren. Ohne Zweifel hängt dies davon ab, in sterilen Umgebungen zu leben. Einer der wichtigsten Wege für die Beständigkeit und Kontinuität im Dienst Gottes besteht darin, dass der Mensch in geeigneten Umgebungen lebt, in denen er seine Reinheit und Makellosigkeit bewahren kann.

Aus diesem Grund sollten wir die Häuser, in denen wir uns aufhalten, zu Häusern des Lichts (ışık evler) machen, unsere Gespräche in Unterhaltungen über den Geliebten (Sohbet-i Canan / Gott und Seinen Propheten) verwandeln und stets mit den Wahrhaftigen zusammen sein. Auf diese Weise bleiben wir sowohl von Viren fern, die unser Herzensleben vergiften würden, als auch erhalten wir Unterstützung von ihnen in Zeiten, in denen wir schwach und hilflos werden.

Besonders in dieser dämonischen Zeit, in der der Zugang zur Sünde extrem leicht geworden ist, versteht es sich von selbst, wie wichtig es ist, in reinen Umgebungen und mit reinen Menschen zusammen zu sein. Ein Mensch kann allein Schwierigkeiten haben, standzuhalten. Mit der Zeit kann er der Gewohnheit und Alltäglichkeit erliegen, versäumt es womöglich, die notwendige Reaktion auf die Viren zu zeigen, denen er ausgesetzt ist, und bemerkt die Abweichungen nicht einmal, die er durchlebt.

Befindet er sich jedoch in einem tugendhaften Kreis, erhält er die Chance, sich auch durch die Augen anderer selbst zu kontrollieren. Wenn er beispielsweise dem heiligen Wesen Gottes gegenüber in Gottvergessenheit gerät, Trägheit im Erfüllen seiner Gottesdiensten zeigt oder strauchelt und fällt, eilt ihm sofort jemand zu Hilfe. Selbst wenn er die Schwere der Sünde vorübergehend vergisst, schämt er sich zumindest vor den Menschen, mit denen er zusammen ist.

Menschen, die sich fest um dieselben Gefühle und Gedanken zusammenschließen, laden sich gegenseitig auf. Wenn sie wie die Steine einer Kuppel fest aneinanderhalten, stürzen sie nicht ein.

Während Menschen, die im Geiste der Einheit und Verbundenheit handeln, einander vor dem Straucheln bewahren, ist es höchst wahrscheinlich, dass jemand, der sich in einer ausgetrockneten, verödeten Atmosphäre befindet, in die keine Barmherzigkeit herabsteigt, abgleitet und verloren geht. Selbst wenn Ihre Beziehung zu Gott sehr stark sein mag, ist es äußerst schwer, ganz allein standzuhalten; Sie können jeden Moment zu Fall gebracht werden.

Aus diesem Grund hat unser Prophet (F.s.m.i) zum Ausdruck gebracht, dass in der Gemeinschaft Barmherzigkeit liegt, in der Trennung von ihr jedoch Qual,[i] und dass Gottes schützende Hand der Barmherzigkeit mit der Gemeinschaft ist.[ii]

In einem anderen Hadith sagte der Gesandter Gottes (F.s.m.i), dass der Satan ein oder zwei Personen, die sich auf eine Reise begeben, täuschen wird, und wies darauf hin, dass man zur Bewahrung vor Sünden eine Gemeinschaft (Gruppe) von mindestens drei Personen bilden sollte.[iii] Denn rein nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit ist es für drei Personen sehr schwer, sich auf dieselbe Art von Bosheit zu einigen.

Wenn wir also lebendig und vital bleiben und unserem Leben eine neue Form geben wollen, sind wir folglich dazu verpflichtet, jene hygienischen und sterilen Grundlagen zu schaffen, auf denen wir diesen Wunsch verwirklichen können.

Die Absicht und das Ziel

Eines der wichtigen Mittel für den Menschen, um nicht nachzulassen und sich nicht der Trägheit hinzugeben, besteht darin, die Messlatte für die Hingabe und den Dienst auf dem Weg Gottes kontinuierlich hochzuhalten. Wenn wir die von uns gesetzte Messlatte mit einem leichten Sprung erreichen können, sollten wir sie nehmen und an eine Stelle verlagern, die für uns nur schwer erreichbar ist. Haben wir jenen Punkt erreicht, müssen wir die Messlatte noch ein Stück höher legen.

Das bedeutet, dass wir unser Bestreben und unsere Ambition stets hochhalten müssen. Wenn wir uns mit der Bequemlichkeit bewegen, als würden wir auf einer ebenen Straße gehen, laufen wir Gefahr, in Nachlässigkeit zu verfallen.

Der Koran zeigt uns die Engel als Vorbild, damit wir uns von unserem Nefs lösen und zum Horizont der wahren Dienerschaft aufsteigen. In zwei verschiedenen Versen wird ausgedrückt, dass die Engel Tag und Nacht Gott lobpreisen und dessen niemals überdrüssig oder müde werden.[iv]

Die uns zufallende Aufgabe ist es, eben dieses Ziel anzustreben. Wenn wir uns auf ein solches Ziel fokussieren, bewegen wir uns pfeilgerade darauf zu, um es zu verwirklichen. Wenn wir uns jedoch kein so erhabenes Ziel setzen, bleiben wir am Nefs und am Ich (Ene) hängen und kreisen unentwegt nur um sie herum.

Bekanntlich besitzt der Mensch verschiedene Seiten, die mit Begriffen wie materiell-spirituell (Mulk-Melakūt), physisch-metaphysisch, diesseitigkeit-jenseitigkeit oder körperlichkeit-geistigkeit beschrieben werden. Obwohl es feine Nuancen gibt, deuten sie alle auf dieselbe Bedeutung hin. Das Ideal, das der Mensch anstreben sollte, besteht darin, trotz seiner materiellen Seite seine spirituelle Natur zu entfalten. Das heißt, engelsgleich zu werden. Dies ist auch das Ziel, das in dem Koranvers aufgezeigt wird.

Mit den Worten Bediuzzamans können wir dies auch als „Befreiung von der tierischen Natur, als Ablegen der reinen Körperlichkeit und als Antreten einer spirituellen Reise auf den Lebensebenen des Herzens und des Geistes“ bezeichnen. Wer einem solchen Pfad folgt und in einer solchen Umlaufbahn kreist, wandelt auf einem sicheren Weg und wird mit Gottes Erlaubnis und Beistand seine Gradlinigkeit nicht verlieren. Um pfeilgerade voranzuschreiten, ohne nach links oder rechts abzuweichen, ist das Setzen eines solchen Zieles unerlässlich.

Schließlich ist es auch offensichtlich, dass das Fokussieren auf ein erhabenes Ziel und das Streben nach Engelsgleichheit die Barmherzigkeit und den Beistand des wahrhaftigen Gottes herbeiziehen. Gott lässt diejenigen, die sich um Seinetwillen auf den Weg machen, auf ihrem eingeschlagenen Pfad nicht allein.

Auf diesem Weg, den ihr angetreten habt, wisst ihr Gottes Beistand (Hilfe), Fürsorge (Obhut) und Schutz hinter euch. Man blickt auf euch wie auf die Gäste des Allbarmherzigen (Raḥmān), und so schnell wird euch niemand etwas anhaben können.

[i] Aḥmed Ibn Ḥanbel, el-Musned 4/278; el-Bezzār, el-Musned 8/226

[ii] Tirmiḍhī, Fiten 7; Ibn Hibban, eṣ-Ṣaḥīh 10/438

[iii] Tirmiḍhī, Dschihād 4; Abu Dāwūd, Dschihād 86

[iv] Sure Fuṣṣilet; 41:38; Sure el-Enbiyā; 21:20