Globalisierung, Rassismus und Identitäten

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Es wurde angenommen, dass Globalisierung die Unterschiede zwischen Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Werten verringern, Identitäten und Zugehörigkeiten schwächen und nationale Gefühle überwinden würden.

Es wurde auch angenommen, dass mit der Entwicklung der Kommunikation und Transportmittel und der Verbreitung des Pluralismus die Vielfalt der Traditionen und Bräuche der Gesellschaften verschwinden würden.

Es wurde sogar vorausgesagt, dass die Bindungen der Menschen an ihre Religionen, Traditionen und Bräuche schwinden würden.

Die Idee einer Weltbürgerschaft wurde diskutiert.

Fehleinschätzungen der Theoretiker

Aber diese Einschätzungen erwiesen sich als falsch. Die Entwicklungen verliefen nicht wie erwartet. Die Unterschiede verschwanden nicht, und die Menschheit wurde ihnen gegenüber auch nicht toleranter.

Im Gegenteil, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Fanatismus und Ausgrenzung nahmen sogar zu. Denn bei der Äußerung solcher Einschätzungen und Prognosen wurde die menschliche und gesellschaftliche Psychologie nicht ausreichend berücksichtigt.

Der Mensch ist so veranlagt, dass er auf fremde Gedanken, mit denen sie nicht vertraut ist, ähnlich wie auf schädliche Mikroorganismen und Bakterien reagiert. Besonders dann, wenn er sie als eine Bedrohung für seine eigenen Werte und Identität empfindet.

In der modernen Welt haben viele Gesellschaften aufgrund der Befürchtung, dass Globalisierung, Modernisierung und Pluralismus zum Verfall ihrer ethischen Grundsätze und ihre eigenen Wertvorstellungen führen, eine reaktive Haltung eingenommen und sich stärker an gemeinsamen nationalen Gefühlen festgehalten.

Zweifellos haben auch einige autoritäre politische Maßnahmen diese Reaktion verstärkt. Menschen, die mit Druck konfrontiert sind, sind empfindlicher und emotionaler gegenüber ihren Werten und immer wachsamer geworden.

Extreme verursachen Extreme!

Es ist eine Tatsache, dass ein Gleichgewicht in Prozessen von gegenseitigen Reaktionen nicht aufrechterhalten werden kann. Übertreibungen verursachen Untertreibungen. Das heißt, extremes Übermaß kann extreme Vernachlässigung hervorrufen. Daher sind diejenigen, die Globalisierung als eine Bedrohung betrachtet haben, nicht nur für ihre nationalen und religiösen Werte eingetreten, sondern haben ihr Anliegen bis hin zu Chauvinismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit getrieben.

Wenn gesellschaftliche Schritte unternommen werden, darf man nicht vergessen, dass es unmöglich ist, Veränderungen zu bewirken ohne die Berücksichtigung der grundlegenden Veranlagung des Menschen sowie seiner materiellen und spirituellen Bedürfnisse, seiner Gefühle und Emotionen sowie der Werte, an die er sich gebunden fühlt. Wenn der Menschheit etwas Neues angeboten werden soll, muss dies unbedingt im Rahmen des Respekts vor menschlichen Werten geschehen.

Es ist nicht möglich, jemandem etwas zu vermitteln, nachdem man sich respektlos gegenüber seinem Glauben, seinem kulturellen Verständnis, seiner Lebensphilosophie geäußert hat. Dadurch provoziert man nur Respektlosigkeit gegenüber den Dingen, die man anzubieten hat.

Vor allem wenn man sich überlegen fühlt, andere von oben herab behandelt und sie als Menschen betrachtet, denen gezeigt werden soll, wo es lang geht, zieht man Feindseligkeiten und Hass auf sich.

Wer möchte, dass in der Gegenwart, in der die Welt zu einem Dorf geworden ist, Zugehörigkeit und Identitäten nicht als Ursache von Konflikten, sondern als eine Quelle der Bereicherung betrachtet werden, der muss jeden in seiner eigenen Position [als Mensch] akzeptieren.

Das positive Zusammengehörigkeitsgefühl als Schutzschild

Der Prophet Muhammed (Friede sei mit ihm), der in der arabischen Gesellschaft geboren wurde, aber mit einer universellen Botschaft kam, hat uns auch in dieser Angelegenheit ein Verhalten gezeigt, das als Modell dienen kann. Das ist auch der Grund, warum der Islam sowohl unter den arabischen Stämmen als auch von verschiedenen Völkern und Kulturen schnell angenommen wurde.

Die Botschaft unseres Propheten hat zunächst den Stamm Quraisch erreicht, später auch jene Stämme, zwischen denen Rivalität oder Krieg herrschte, und schließlich auch breite Bevölkerungsschichten unter den damaligen beiden Supermächten Byzanz und das Sassanidenreich.

Ja, der Gesandte Gottes ist mit dem Gefühl der Zusammengehörigkeit sehr ausgeglichen umgegangen. Er hat das positive Zusammengehörigkeitsgefühl in den Vordergrund gestellt, welches die Zusammengehörigkeitsgefühle anderer Stämme und Völker respektierte. Somit hat er dem negativen Zusammengehörigkeitsverständnis, das andere Menschen ausschließt, keinen Raum gegeben.

Er hat zwar abgelehnt, dass Abstammung, Herkunft und Rasse als Grund für Überlegenheit herhalten dürfen, aber er hat auch nicht so getan, als wären sie nicht vorhanden. Stattdessen hat er solche Merkmale und darauf basierende Gefühle als Schutzschild und – hülle für die Gesellschaft, die er gegründet hat, und für die Religion sowie für das spirituelle Leben.  

Was führt zu Rissen in der Gesellschaft?

Anfangs nahm man an, dass die Globalisierung die Unterschiede zwischen Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Werten verringern, Identitäten und Zugehörigkeiten schwächen und nationale Gefühle überwinden würde. Doch wenn eine bestimmte Identität betont wird, ermutigt das andere, dasselbe zu tun. Dadurch entsteht ein Nährboden für Risse, Brüche und Konflikte in der Gesellschaft. Tatsächlich hat der Turanismus große Probleme verursacht, nicht nur für uns, sondern auch für die ganze Welt, da rassistische Ideologien zu einer globalen Plage geworden sind.

Vereinigende übergeordnete Identität

Der Islam hat im Laufe der Jahrhunderte viele Völker unter einem Dach versammelt und als eine übergeordnete Identität gedient. Religiöse Gefühle und Gedanken haben Ideologien wie Tribalismus, Rassismus und Nationalismus korrigiert. Gegenüber Strömungen, die Zwietracht und Spaltung verursachen, haben sie eine heilende Wirkung gezeigt und eine vereinigende Rolle gespielt.

Heutzutage hat sich die Situation jedoch geändert. Es gibt viele Menschen, die nicht einmal den Namen der Religion ertragen können und gegenüber religiösen Werten äußerst intolerant sind. Wenn man eine vereinigende Kraft sein möchte, muss man auch die Empfindungen dieser Menschen berücksichtigen.

Als Muslime glauben wir, dass Religion und Spiritualität ein Gegengift zu Konflikten und Auseinandersetzungen darstellen und eine vereinigende Rolle auf der Ebene der ganzen Menschheit spielen können.Wenn die Dynamik der islamischen Religion in die richtige Richtung gelenkt werden kann, können Probleme wie Rassismus, Radikalismus, Gewalt, Anarchie und Terrorismus korrigiert, gemildert oder grundlegend gelöst werden. Aber das Wichtigste ist, dass die Vertreter dieser Religion sie richtig repräsentieren und sie der Menschheit in einem angemessenen Stil präsentieren.

Insbesondere in der heutigen Welt kann Religion, wenn keine angemessene Methode und Sprache verwendet werden, in der Gesellschaft genau das Gegenteil von dem bewirken, was damit beabsichtigt wurde.Wenn Sie als Gläubige nicht auf die verwendeten Wörter, Begriffe, Sprache und Vorgehensweise achten, kann es dazu führen, dass sich einige Menschen verärgert abwenden.

Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, eine Sprache zu verwenden, die nicht provoziert und keine direkte Gegenreaktion hervorruft. Das, was sie erklären wollen, sollte auf der Grundlage von Werten vermittelt werden, die von allen geteilt werden.

Respekt für Vielfalt und Identität

In jedem Land der Welt gibt es politische oder unpolitische Bewegungen und Gruppen, die nationale oder religiöse Werte vertreten. Um Frieden und Harmonie in einer Welt zu erreichen, müssen alle bei der Bekundung ihrer Auffassungen äußerst ausgewogen vorgehen. Jeder kann seine eigene Gemeinschaft und Landsleute lieben und diese Liebe in sein Leben hineintragen. Das Wichtigste ist, sich nicht als überlegen zu betrachten und sich nicht durch Feindschaft zu definieren. Das bedeutet, die Gefühle und Emotionen sowie die Gedanken anderer zu respektieren und auch ihre Identitäten und Zugehörigkeiten anzuerkennen.

Wie Identitätspolitik Konflikte schüren kann

Genauso dürfen solche Bewegungen und Gruppen unter keinen Umständen das Land oder die Gebiete anderer ins Visier nehmen, noch Ansprüche auf die Vorherrschaft einer bestimmten Ethnie in der Welt erheben.

Wenn wir nicht ausgewogen und klug handeln, könnten wir selbst als Menschheit unsere eigene Welt ins Verderben stürzen. In der Tat sind Länder, die heute zu blutigen Schlachtfeldern geworden sind, die deutlichsten Zeichen dafür. In diesem Zusammenhang können Personen, die von Vernunft und Ausgewogenheit abweichen, nicht empathisch handeln und verschiedene Gesellschaften und Staaten provozieren, lokale oder weltweite Erschütterungen und Zersplitterungen verursachen. Sie können Anlässe für Zwietracht und Chaos in Form von Terrorismus, Anarchie, Konflikten und Kriegen geben.

Einmal verursacht, kann man sie möglicherweise auch mit Macht und Stärke nicht mehr aufhalten. Denn wenn einmal ein Krieg ausgebrochen ist, bleibt er nicht auf einen Ort beschränkt und es ist ungewiss, wann und wie er enden wird.

Diplomatie und Gesetzgebung als Mittel zur Konfliktvermeidung

Wenn nicht eine äußerst fundierte Diplomatie auf der Grundlage von Gesetzgebung und Prinzipien entwickelt wird, die die aktuellen gesellschaftlichen Bedingungen in der Welt sowie die zugrunde liegende soziale Psychologie berücksichtigt, sind Konflikte mit verheerenden Folgen unvermeidlich.

Eigentlich gibt es viel zu diesem Thema zu sagen. Aber wie Jules Verne am Ende seines Romans „20 000 Meilen unter dem Meer“ sagte, ist die Menschheit noch nicht bereit für eine solche Reise. Sie scheint noch nicht empfänglich für die Aufnahme und das Verständnis mancher Tatsachen zu sein. Daher ist es ratsam, einige Dinge der Zeit zu überlassen.

Ansonsten besteht die Gefahr, dass das angestrebte Handeln unbeabsichtigte negative Auswirkungen auslöst, indem es neue Gegenreaktionen und eine Verschärfung der Situation provoziert. Um als Menschen unserer Epoche Lösungsansätze für die Probleme unseres Jahrhunderts anzubieten, müssen wir eine Qualität erreichen, die es uns ermöglicht, uns mit den Herausforderungen unserer Zeit auseinanderzusetzen, eine Position erreichen, von der aus wir Wertvolles für die Menschheit leisten können, und ein Niveau erreichen, auf dem die Menschen unsere Zustimmung wertschätzen können.