Die Hizmet-Bewegung und die vermeintliche Unterwanderung des Staates

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Es wird behauptet, die Hizmet-Bewegung unterwandere den Staat und strebe die Machtergreifung an. Die Freiwilligen in der Bewegung und diejenigen, die sie aus nächster Nähe kennen, wissen, dass es sich hierbei um Verleumdungen handelt. Allerdings haben diese Unterstellungen in der Tat viele Menschen verunsichert und für Verwirrung gesorgt. Was kann man auf diese Anschuldigungen erwidern?

Es gibt Lehrer, Direktoren, Ingenieure, Richter, Staatsanwälte, Minister und Ministerpräsidenten, die qualifiziert, unbestechlich, gerecht, ehrlich und den Bürgern gegenüber respektvoll sind, das Volk nicht ausbeuten und ihrer Aufgabe völlig nachkommen. Auf der anderen Seite gibt es auch pflichtvergessene Amtsträger, die sich um Recht und Gesetz nicht scheren, unqualifiziert und den Bürgern gegenüber respektlos sind. Fragt man die Menschen: „Welche Art von Würdenträgern wünscht ihr euch?“, so würde wohl jeder die Erstgenannten nennen. Tausende von Akademikern, Intellektuellen, Soziologen, Journalisten und Pädagogen unterschiedlichster Couleur bestätigen, dass die Hizmet-Bewegung Menschen mit genau diesen positiven Eigenschaften ausbildet. Die Menschen in Anatolien haben mit großer Mühe Bildungseinrichtungen gegründet und engagieren sich dort dafür, um Menschen mit den o. g. Eigenschaften auszubilden. Wenn nun qualifizierte und kompetente Absolventen dieser Einrichtungen sich in Institutionen einbringen, in die sie auf ganz legalem Weg Eingang gefunden haben, kann man in Anbetracht dessen wirklich von Unterwanderung des Staates beziehungsweise von Machtergreifung sprechen oder handelt es sich hierbei nicht vielmehr um einen Dienst am Staat, der Bevölkerung und dem Land?

Ein zweiter Punkt: Menschen an die Wissenschaften, die Ethik, spirituelle Werte und wahrhaftige und authentische Religiosität heranzuführen und ihnen dabei zu dienen, ist nicht das Monopol eines Einzelnen, sondern dieser Dienst ist ein Erfordernis im Wertesystem aller Menschen. Die Freiwilligen, die sich in den Bildungseinrichtungen engagieren, sind von einer tiefen Liebe zu ihrem Land und ihren Mitbürgern angetrieben und bemüht, alle Gesellschaftsschichten anzusprechen. Wenn nun Menschen aus unterschiedlichen Schichten diesem Ruf folgen, ist das dann eine Unterwanderung des Staates und eine Machtergreifung oder nicht eher ein Dienst am Land und dessen Bevölkerung, ja ein Dienst an der Menschheit?

Drittens: Es ist leider eine Tatsache, dass man sich heutzutage in den öffentlichen Einrichtungen und Behörden an gesetzwidrige und unethische Verhaltensweisen wie Korruption, Bestechung und Vetternwirtschaft gewöhnt hat. Aus diesem Grund ist Personal, das sich seiner Arbeit widmet und für seinen Lohn ehrliche Arbeit leistet, das Recht und Gesetz ergeben ist und nicht stiehlt, nicht korrupt und bestechlich ist, in ihren Abteilungen nicht beliebt und nicht erwünscht. In der Tat stellen Teile des Beamtenapparates, die sich der Ethik und den Tugenden verpflichtet sehen und daher ihren Aufgaben so nachkommen, wie es im Rahmen von Recht und Gesetz von ihnen erwartet wird, eine Bedrohung für diejenigen dar, die ihre hohe Stellung und ihr Amt als ein Mittel zur Bereicherung betrachten. Wie sollten sich nun ehrliche Menschen in einer solchen Situation verhalten? Sollten sie davon absehen, ihre Aufgaben recht und angemessen wahrzunehmen, weil sie sich vor Repressalien derjenigen fürchten, denen an Recht und Gesetz nichts liegt? Mit anderen Worten: Bedeutet es Unterwanderung des Staates und Machtergreifung, wenn man seine Aufgaben gemäß hohen menschlichen Werten und den Regeln des Gesetzes bewältigt?

Der psychologische Aspekt: Schuldkomplexe und Projektionen

Davon abgesehen ist jedes Individuum – und dazu gehören natürlich auch die Freiwilligen der Hizmet-Bewegung und ich selbst – Bürger eines Landes. Ich beispielsweise bin ein Ur-Anatolier. Ich bin entschieden gegen Rassismus; eine Gesinnung, in der es um die Reinheit des Blutes und Schädelformen geht, liegt mir vollkommen fern. Aber ich liebe Anatolien und seine Menschen zutiefst. Wie kann man also einem Bürger das Etikett anhängen, den Staat zu unterwandern, wenn er sich in staatlichen Einrichtungen seines eigenen Landes engagiert und andere ermuntert, dies ebenfalls zu tun? Unterwandern bezeichnet eigentlich ein Recht und Gesetz widerstrebendes Unterfangen von Menschen, die die Dienste des Staates für ihre eigenen Zwecke missbrauchen; denn es sind genau diese Personen, die – um ihr eigenes Vorgehen zu vertuschen – andere mit genau diesen Anschuldigungen überziehen.

Ja, jeder Bürger eines Landes hat das Recht, im öffentlichen Dienst eine Stellung zu bekleiden, wenn er die erforderlichen Kompetenzen und Qualifikationen aufweist. Einige jedoch, die Schlüsselpositionen besetzen, die für das Schicksal der Nation lebenswichtig sind, haben es sich an diesen wichtigen Schnittstellen gemütlich gemacht und sich dort eingenistet. Sie setzen dort das Sehnervensystem des Volkes unter Druck und trüben den klaren Blick der Bürger des Landes; stellen aber gleichzeitig das Verhalten und die Aktivitäten der Freiwilligen der Hizmet-Bewegung paranoid als „Unterwanderung“ dar und hoffen, dass auch andere das so betrachten. Sie haben sich in dieser Paranoia derart verrannt, dass sie überall nur noch Unterwanderung sehen: Wenn jemand den Türknauf berührt, wenn es an der Tür klingelt, wenn sie sich niedersetzen und wenn sie aufstehen – sie leben in ständiger „Unterwanderungs“-Paranoia.

Sowohl Anrecht als auch Verantwortung

In Wirklichkeit ist es jedoch so, dass der Bürger eines Landes die staatlichen Einrichtungen seines eigenen Landes gar nicht unterwandern kann; es ist sein gutes Recht, sich dort einzubringen. Er arbeitet in der Finanzbehörde, er arbeitet am Gericht, er arbeitet im auswärtigen Dienst. Warum sollte das ein Kind des Landes nicht tun? Wollt ihr beispielsweise den Bewegungsradius der Menschen in Anatolien auf Korankurse reduzieren? Sollen wir sie lediglich zum Besuch der Imam-Hatip-Schulen ermuntern? Ich kann nur immer wieder betonen und werde nicht müde, dies zu tun: Der Mensch Anatoliens, der Bürger dieses Landes, hat das Recht, in allen Institutionen des Landes tätig zu sein und gebraucht dieses ihm zustehende Recht. Ihm dieses Recht zu verweigern, ist ein klarer Fall von Ungerechtigkeit, Despotismus und Täuschung. An dieser Stelle möchte ich aber darauf hinweisen, dass es [die Regierenden] wie ein Bumerang treffen wird, sollten sie den Menschen Anatoliens in ihrem eigenen Land die Türen ihrer eigenen staatlichen Einrichtungen versperren. Das Gewissen des Volkes wird darauf reagieren: „Wenn der Despot auch Gewalt ausübt, das Opfer hat Gott auf seiner Seite / Das ganze Volk zu unterdrücken ist leicht, morgen jedoch tagt das Gericht des Einzig Wahren.“ 

Wenn ich wüsste, dass meine Stimme auch den entferntesten Winkel Anatoliens erreicht, würde ich den Menschen erneut zurufen: In dem Maße, in dem ihr eure Kinder zu den Korankursen schickt, schickt sie auch auf die Imam-Hatip-Schulen; im selben Maße lasst sie auch Politologie und Sozialwissenschaften studieren. In dem Maße, in dem ihr sie Medizin und Ingenieurwissenschaften studieren lasst und sie auf die Polizeiakademien schickt, lasst sie auch Jura studieren und schickt sie auf Militärschulen! Dieses Land gehört euch, daher ist es auch euer Recht, für den Fortbestand der Institutionen zu sorgen, die dieses Land am Leben erhalten – dies ist sogar eure Verantwortung.

„Der Andere“

Eigentlich dienen solche Behauptungen nicht dem Wohle des Volkes, sondern jenen, denen der momentane chaotische, verworrene und rechtsfreie Zustand der Türkei in die Karten spielt, da sie daran interessiert sind, ihre eigene Machtposition zu stärken. Diese Behauptungen dienen als Argumente derjenigen, die verhindern wollen, dass Menschen die Tatsachen erkennen, dass Menschen den wahren Zustand des Landes erkennen. So wie sie die Ämter und Stellungen, die sie besetzen, unter keinen Umständen aufzugeben gedenken und das Ziel verfolgen, diese auf ihre Kinder und Enkel übergehen zu lassen, so sehr fürchten sie sich ernsthaft vor einem Demokratisierungsprozess und setzen daher alles daran, Schritte in Richtung Rechtsstaat und Demokratie zu blockieren.

Diese Leute sehen in dem Aufstieg des Volkes ihren Abstieg beziehungsweise Niedergang und daher betrachten sie Menschen, die sich ihren Aufgaben mit Hingabe widmen, als Bedrohung ihrer eigenen Zukunft. Sie haben nur ihren persönlichen Vorteil im Blick und gehen gestern wie heute die verschiedensten Koalitionen ein. In ihren bequemen Amtssesseln sitzend erfüllt sie die Furcht davor, dass eines Tages ihre Korruption und Unehrlichkeit hinterfragt wird, und daher werfen sie derartige Behauptungen in den Raum. Sie fühlen sich unwohl angesichts der Menschen, die nicht so sind wie sie, und betrachten sie als Hindernis für ihren bequemen, bohemienhaften und unbekümmerten Lebensstil, dem sie auf Kosten des Staates und seiner Bürger frönen. Anschließend hüllen sie ihr teuflisches Gemüt in den Mantel unschuldiger Gedanken, indem sie sagen: „Ein Putsch, wir sind umzingelt, wir wurden unterwandert!“ Dummes Gerede dieser Art führt allenthalben zu Aufruhr. Ständig wiederholt entwickelt sich daraus eine Paranoia und sie betrachten alle anderen außer sich selbst krankhaft als Feinde und „Andere“.

Andererseits darf man nicht vergessen, dass diese Behauptungen und Unterstellungen Teil einer psychologischen Kriegsführung sind. Manche nutzen alle möglichen Verleumdungen, um Staatsmännern zu drohen, sie zu erpressen und einzuschüchtern. Sie beschuldigen und unterdrücken Menschen, die zum Wohle des Staates und der Nation wirken könnten, und verhindern deren Vorwärtskommen. Ihr Ziel ist es, unter diesem Vorwand den Weg der Kinder dieses Landes vollständig zu verbauen.

Projektion: Von sich auf andere schließen

Es gibt einige Menschen, die demokratische Gepflogenheiten und Regeln mit Füßen treten, sie über Bord werfen und so bis in die Schaltzentralen des Landes vorgedrungen sind und das Volk unter ihre Kontrolle gebracht haben. Sie haben sich teils legal, teils illegal der Mittel des Staates bemächtigt und alle ihnen zu Verfügung stehenden Möglichkeiten ausgeschöpft, um sich heimlich Posten zu verschaffen. Genau diese Art von Menschen betrachtet ihre Umwelt stets aus dem Blickwinkel ihrer eigenen Innenwelt und beurteilt die verschiedensten Aktionen und Entwicklungen, Aktivitäten und Bewegungen im Vergleich zu ihrem eigenen Handeln und richtet schließlich ihr Verhalten gegenüber ihren Mitmenschen danach aus, wie sie sich diese in ihrer Vorstellung ausmalen – sie selbst haben Dreck am Stecken und schließen nun von sich auf andere. Da in Wahrheit sie selbst es waren, die „unterwanderten“, bezichtigen sie auch jene der Unterwanderung, die ihre Befähigungen und Qualifikationen einbringen und im Staatswesen Verantwortung übernehmen.

So wir ein Dieb, der beim Vorbeigehen auf die geschlossenen Läden eines Geschäftes schaut und sich Gedanken darüber macht, wie er wohl am einfachsten die Läden öffnen, das Schloss knacken, auf welchem Weg er in das Innere kommen und wie er dann schnellstmöglich das Geschäft ausrauben kann. Also noch im Vorbeigehen beginnt er den Raub mit seinen Augen, legt die Basis für seinen Raubzug und ist gedanklich mit der Planung desselben beschäftigt. Währenddessen macht sich der Besitzer des Geschäfts auf den Nachhauseweg und schaut noch einmal zurück, ob die Läden auch geschlossen sind, ob er alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen hat, um einen Einbruch zu verhindern, und ob das Schloss wohl ausreichend sicher ist. Der Dieb jedoch, der nicht weiß, dass es sich bei dem Mann um den Besitzer des Geschäfts handelt, vermutet, dass dieser ebenfalls zu einer Räuberbande gehört – er schließt von sich auf andere.

Analog dazu beurteilen Menschen, die wie die vierzig Räuber die Geschicke der Nation bestimmten, die betreffenden Institutionen besetzten und unter sich aufteilten, diejenigen, die sich mit absolut reinen Beweggründen darum bemühen, menschliche Tugenden zu mehren, wie sich selbst und schließen von sich auf andere. Und das, obwohl sich diese aus den reinsten Gedanken heraus ihrer Arbeit widmen. Sie hegen noch nicht einmal in ihren Träumen weltliche Wünsche und Begierden wie Stellung, Amt und Macht. Der Mensch kann in seinen Träumen durchaus mit Zuständen konfrontiert werden, die er nicht wünscht und die er lieber von sich fernhalten würde. Derartige Wünsche und Begierden liegen ihnen jedoch völlig fern. Wenngleich manche Träume ein Widerschein des Unterbewussten sein können – solche Gedanken kommen ihnen nicht einmal im Traum in den Sinn, da diese Erwägungen in ihrem Unterbewusstsein gar nicht vorhanden sind. Es gibt jedoch eine Reihe von Personen, die unschuldige Menschen aus ihrem eigenen Blickwinkel heraus beurteilen, interpretieren und schließlich unter Zuhilfenahme von allerlei Verleumdungen und Anschwärzungen ihren Weg versperren, da sie nichts anderes im Sinn haben als ebendiese Träume und Sehnsüchte.